Datum der letzten Aktualisierung: 31.03.2012
1. Vorwort
Hier geht es vorwiegend um nicht-technische Ausrüstung, wie Bekleidung, Schuhe, Trinkwasser und was man sonst noch auf größeren Rad-Touren dabei haben sollte. Im Folgenden werden als Entscheidunghilfe die Vor- und Nachteile diverser Ausrüstungen diskutiert. Dabei wird auch auf die Besonderheiten bei Liegerädern eingegangen. Zum Schluß noch eine Checkliste zur Touren Vorbereitung und ein paar Worte zum Training.
2. Bike-Bekleidung
Für jeden, der etwas sportlicher mit dem Rad unterwegs ist, ist es keine Frage, dass es ohne geeignete Bekleidung nicht geht. Wie heißt es in der Werbung: Das Wetter ist nicht dein Gegner, sondern deine Herausforderung. Anders gesagt: Es gibt kein schlechtes Wetter, aber schlechte (Bike-) Bekleidung!
2.1 Radlhose
Die Radlhose ist ohne Zweifel die bekannteste Spezial-Bekleidung für Radfahrer. Wer nur ein wenig leistungsbewußt mit dem Rad fährt, der kommt an ihr nicht vorbei. Ohne die richtige Radhose können Touren zur Qual werden. Wichtig ist der falten- und scheuerstellenfreie Sitz.
Anders verhält es sich beim Liegerad. Hier sitzt man wie in einem Sessel, so dass es zu keinen Druckstellen kommen kann. Es ist hier eine Hose gefragt, die - besonders im Winter - den Unterleib vor dem kühlen Fahrtwind schützt, aber den Rücken kühl hält. Die Anbieter von Bike-Bekleidung können hierzu nichts wirkliches anbieten. Ein Radlhose, die eng an den Oberschenkeln anliegt ist ein guter Kompromiss. Man kann auch problemlos eine ganz normale Hose auf dem Liegerad tragen. Shorts sind wohl weniger zu empfehlen. Je nach Art des Liegerades und der Kettenführung kann es wichtig sein, das eine lange Hose unten eng anliegt. Andernfalls kann der Fahrtwind die Hosenbeine aufblähen und dies in das Kettenrad flattern lassen.
2.2 Regenschutz
Regen ist ein Horrorszenario für Biker, denn ungeeignete Regenkleidung kann das sichere Aus einer (mehrtägigen) Biketour bedeuten! Wer von einem Regenschauer durchnässt wird, der kühlt sehr stark aus und ist spätestens am übernächsten Tag reif fürs Krankenbett. Zu mindestens ist man so geschwächt, dass das Radfahren aus gesundheitlicher Sicht nicht zu empfehlen ist. Der Handel bietet regenfeste Kleidung in vielen Preisklassen an. Aber das Geizen lohnt sich nicht! Die Erfahrung zeigt, das leider nur die teuren Marken einen Biker halbwegs trocken halten und dabei ausreichend dünn (leicht) sind um in den Rucksack zu passen. Billige Regenkleidung ist entweder sperrig zu packen, undicht oder nicht ausreichend luftdurchlässig, so dass man in seinem eigenen Schweiß "ertrinkt".
Bei der Tourenvorbereitung darf man auch keinesfalls den Regenschutz für die Füße vergessen. Entweder sollte die Regenhose ausfalltbare Überzieher für die Schuhe besitzen, oder man sollte zusätzlich wasserfeste Gamaschen dabei haben. Des Weiteren empfehlen sich regendichte Überzieher für Helm und Rucksack.
Liegeradfahrer haben hier wieder ganz andere Probleme. Die Füße bleiben zwar leichter trocken weil der Regen hauptsächlich auf die Schuhsohlen trifft und nicht vom Vorderrad bespritzt werden. Auf Grund der bei einigen Liegerädern relativ tiefen Sitzposition ist aber der Körper viel stärker dem Spritzwasser ausgesetzt. Egal ob von den Vorderräder oder von rücksichtslos dicht vorbei fahrendenden Autofahrern. Dagegen helfen auch die (durchsichtigen) Schutzschilder vorne am Rad wenig. Beim Autor hat sich dazu ein einfacher Regen-Poncho bewährt, in den er sich quasi so "einwickelt", dass der Fahrtwind den Poncho nicht aufblasen kann. Für die Beine ist eine normale Regenhose ausreichend.
Auch die beste Regenkleidung kann auf Dauer nicht verhindern, dass man langsam aber sicher nass wird. Entweder dringen kleinste Mengen Regenwasser durch, oder der Schweiß sammelt sich unter der Kleidung. Egal wie, feuchte Haut führt immer zum schnellen Auskühlen des Körpers. Jetzt sollte man schnellstens trockene Kleidung anziehen. Wenn dies nicht möglich ist, dann muss man versuchen durch stärke Anstrengung dem Auskühlen entgegen zu wirken! Dies schafft man aber nur, wenn man vorher ein ausreichendes Ausdauertraining absolviert hat. Die schlechteste Lösung ist, wenn man durchnässt auf besseres Wetter wartet, so ist eine Erkältung und das vorzeitige Ende einer mehrtägigen Tour vorprogrammiert. Nur bei einem Gewitter sollte man nicht weiterfahren!
2.3 Wind- und Kälteschutz
Für lange Downhills sollte man auch bei sonst sommerlichen Temperaturen unbedingt winddichte Kleidung und Fingerhandschuhe dabei haben und sich rechtzeitig umziehen. Der Fahrtwind kühlt extrem stark aus (-> Chill Effect). Hinzu kommt, dass man zuvor meist "gut" geschwitzt hat. Dies gilt aber nicht nur für den Fahrtwind! Wer sich schweißgebadet auf z. B. einer Passhöhe im kühlenden Wind ausruht, der muss sich später nicht um gesundheitliche Konsequenzen wundern.
Arm- und Beinlinge sind nicht nur als Windschutz ideal. Beinlinge kann man im Gegensatz zu einer langen Bikehose bei Bedarf überall schnell an- und ausziehen. Beinlinge können aber ganz schön nerven, wenn sie keinen festen Halt auf den Oberschenkeln finden und deshalb ständig in die Kniekehlen rutschen. Also lieber gleich eine lange (Trainings-) Hose überziehen.
Für die kühle Jahreszeit empfiehlt sich mehrlagige Kleidung - das "Zwiebelschalen-Prinzip". So kann man sich flexibel anpassen und sich optimal vor dem Schwitzen oder Auskühlung schützen.
2.5 Sonnenschutz
Die schönsten Bike-Touren im Gebirge (Transalp), oder wie zum Beispiel auf Teneriffa befinden sich (oft) oberhalb der Wolken. Die Sonne scheint hier nicht nur ständig, sondern auch gnadenlos. Sonnencreme alleine reicht nicht aus! Wer zuvor wenig Kontakt mit dem Sonnenlicht hatte, für den empfiehlt es sich während der ersten Urlaubstage mit langer Bikehose (oder Beinlingen), einem langärmeligen Bikeshirt und Handschuhen zu fahren. Dies ist zwar gelegentlich zu warm - aber ein Sonnenbrand kann das Ende einer Tour oder eines erholsamen Urlaubs bedeuten!
Für die Fahrt mit einem Liegerad kann bei starker Sonneneinstrahlung eine lange aber luftige Hose empfehlenswert sein, denn hier besteht ein erhöhtes Risiko für einen Sonnenbrand auf den Beinen. Besonders die Schienenbeine sind gefährdet, weil diese die senkrecht einfallenden Sonnenstrahlen nicht gewohnt sind.
3. Handschuhe
Fingerlose Handschuhe sind wohl ein fauler Kompromiss. Entweder sollte man sich lieber gleich gute Griffe ans Bike montieren oder Fingerhandschuhe verwenden um im Fall eines Sturzes auch die Finger ausreichend zu schützen. Winterhandschuhe müssen sorgfälltig ausgewählt werden. Sie sollten über eine gute Isolierung verfügen, einen guten Grip haben, nicht zum Schwitzen führen und sie dürfen die Bedienung der Schaltung nicht behindern.
4. Helm
4.1 Tragepflicht?
Ein bequemer und vor allen Dingen sicher sitzender Helm ist bei Offroad Touren unverzichtbar. Das Tragen eines Helms sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Generell sollte aber jeder für sich selbst entscheiden ob er einen Helm tragen will oder nicht. Eine Helmpflicht würde (wie bereits in anderen Ländern nachgewiesen) nur die Akzeptanz des Radfahrens verringern. Für Teneriffa und La Palma gilt eine Helmpflicht.
Es ist erwiesen, dass sich für Liegeradfahrer durch das Tragen eines Helmes kein so großer Sicherheitsgewinn ergibt, weil ihre Sturzhöhe erheblich geringer ist und viel Energie durch Beine, Arme und Schultern abgefangen wird. Der Autor trägt schon allein aus den hier genannten Gründen möglichst immer einen Helm.
4.2 Auswahl
Discounter bieten Radhelme für 9,99 € an. So ein Helm ist ohne Zweifel besser als keiner. Man könnte sich zwar 10 dieser Billighelme anstatt eines Markenhelms leisten, was aber schon allein aus Gründen des Umweltschutzes keine gute Idee ist. Markenhelme sind zweifellos besser. Man bekommt für sie Ersatzteile. Man kann so zum Beispiel verschwitzte Polsterungen regelmäßig austauschen. Einen Helm sollte man im Laden ausprobieren, denn nur so wird man den für seine Ansprüche passenden und bequemen Helm finden. Wichtig ist, dass der Helm an die Kopfform angepasst werden kann, eine gute Durchlüftung bietet und der Verschlußmechanismus ohne Fummelei funktioniert.
Im Winter sollte eine Sturmhaube oder ein Stirnband unter den Helm passen. Für Vielfahrer lohnt sich ein Winterhelm. Gegebenfalls kann man auch einen Skihelm verwenden, sofern man darunter nicht zu sehr schwitzt.
Während des Tragens sollte das Kinnband so fest sitzen, dass sich der Helm im Fall des Falles nicht seitlich wegschieben kann. Der Verschlußmechanismus darf weder drücken noch scheuern. Für Fahrten im Regen empfiehlt sich ein Überzug für den Helm. Solch ein Überzug kann auch im Winter anstelle einer Haube verwendet werden.
4.3 Nachteile eines Helm
Dass man mit Helm mehr schwitzt dürfte wohl keine Frage sein. Aber auf einer anstrengenden Bergstrecke fährt man eh relativ langsam, so dass man den Helm ohne Gewissenskonflickte abnehmen kann. Ein nur selten diskutierter Aspekt ist der vom Radlhelm durch den Fahrtwind erzeugte Lärm. Der Fahrtwind erzeugt besonders bei Helmen mit guter Lüftung ein starkes Rauschen. Man bemerkt es meist nicht sofort, aber wer sich nach längeren Touren über Ohrensausen wundert, der sollte sich seinen Helm kritischer ansehen. Man könnte einfache Lärmschutz-Ohrenstöpsel verwenden, aber die werden oft herausfallen. Wenn sich Lärm nicht vermeiden lässt, dann sollte er wenigstens angenehm sein. Eine gute Alternative sind deshalb Sport-Ohrhörer mit Bügel (siehe Bild) über die man sich beruhigende Musik aus einem MP3-Player anhört. Entgegen einem Irrglauben ist dies im öffentlichen Straßenverkehr erlaubt! Man muss lediglich in der Lage sein, das Warnsignal von Polizei- und Rettungsfahrzeugen hören zu können. (Motorradfahrer hören unter ihren Vollvesierhelmen auch nicht mehr.)
4.4 Helmscheinwerfer und Blinklichter
Ein am Helm montierter Scheinwerfer ist ohne Zweifel sehr praktisch und unter bestimmten Bedingungen ein enormer Sicherheitsgewinn. Das Licht ist immer dort, wo man es benötigt. Derartige Fahrradbeleuchtungen sind jedoch nicht zugelassen. Es kann aber niemand verbieten, derartige Scheinwerfer als zusätzliche Lichtquelle zu verwenden - sofern niemand damit gefährdet (weil geblendet) wird. Gleiches Recht für alle - auch Autofahrer sind mit (serienmäßig) gnadenlos blendenden Scheinwerfern unterwegs. Mit einem Helmscheinwerfer kann man einen entgegen kommenden Autofahrer daran erinnern gefälligst abzublenden. Hier ein Link zu weiteren Argumenten für die Notwendigkeit eines ausreichenden Radscheinwerfers: Forderungen an eine sichere Beleuchtungsanlage. Aber Radfahrer, die auf öffentlichen Wegen nur mit einem Helmscheinwerfer unterwegs sind, kann man als dumm und rücksichtslos einstufen. Sie gefährden nicht nur sich, weil andere Verkehrsteilnehmer die Entfernung falsch einschätzen. Der Grund: Das hohe Licht wird (bei einem flüchtigen Blick) in der Dunkelheit als ein noch weit entferntes Auto mit Fernlicht oder mit einer Straßenlampe verwechselt. Die Folge ist, dass ein Autofahrer dem Radfahrer die Vorfahrt nimmt.
Hinten in den Helm eingebaute rote Blinklichter erhöhen die Sicherheit enorm, weil Radfahrer damit leichter von Autofahrern gesehen werden (siehe dazu auch Warum werden Radfahrer häufig von Autofahrern übersehen?).
4.5 Helmkamera
Es gibt inzwischen viele "Outdoor" Kameras, die auf oder an den Helm montierbar sind. In Angesicht eines Bikers mit einer auf den Helm montierter Kamera muss man zwangsläufig an die blöden Teletubis (aus der Kleinkinder Fernsehserie) denken. Das Bild zeigt die diskrete Lösung des Autors. Die Fingergroße Kamera des dnt Action Recorder passt genau in einen Lüftungsschlitz des Helms wie GIRO Xen oder andere, ohne dabei auf den Kopf zu drücken. (Die Lüftungslöcher des Helms dürfen dazu keine Fliegengitter besitzen.) Für die Befestigung reicht ein einfacher Gummiring.
Das zur Kamera gehörende Aufnahmeteil (mit Bildschirm) passt entweder hinten an den Helm, in eine Shirt Tasche, an den Hosenbund oder in den Rucksack. Eine 8 GByte SD Karte reicht je nach Auflösung für 5 bis 20 Stunden. Mit einem geeigneten Video-Bearbeitungsprogramm schneidet man am PC die interessanten Szenen heraus wandelt sie in das YouTube Format (.flv) um.
5. Protectoren
Der durchschnittliche Touren-Radfahrer weiß mit dem Begriff "Protector" (= Schützer) erst einmal nichts anzufangen. Spätestens nach einem Sturz mit Hautabschürfungen oder Schlimmeren fragt er sich, wie hätte ich mich besser davor schützen können?
Protectoren gehören für "Downhiller" zur Standardausrüstung. Bei einer Alpenüberquerung auf extremen Routen sind Downhill-Abschnitte nicht selten (siehe Bild 5 im Bericht zur Transalp 2007). Für Mountainbiker sind Protectoren, welche die Knie und Schienenbeine schützen eine sinnvolle Ausrüstung. Leider hat man im Gepäck für eine Transalp kaum noch Platz dafür. Auf den steilen Downhills im Lavagestein von Teneriffa oder La Palma sind Protectoren unverzichtbar.
Wer als Liegeradfahrer etwas sportlicher unterwegs ist, oder gar die Fahreigenschaften eines KMX Trike ausreitzt, der sollte ernsthaft über Arm-Protectoren nachdenken. Auf Grund der tiefen Sitzposition sind im Fall eines Unfalls besonders die Ellenbogen gefährdet.
6. Sonnenbrille
Eine Sonnenbrille hat zwei wichtige Funktionen zu erfüllen, das ist neben der primären Funktion als Lichtschutz auch der Schutz gegen Staub und Insekten. Eigentlich benötigt man zwei Brillen, eine "richtige" Sonnenbrille mit relativ stark getönten Gläsern und eine zweite mit eher klaren Gläsern für die Dämmerung, wenn besonders viele Insekten unterwegs sind.
Empfehlenswert ist ein Brillenband, mit dem man sich die Brille bei Nichtgebrauch einfach um den Hals hängen lassen kann. Man vermeidet so das Risiko des Verlierens und die Brille ist immer griffbereit.
Gelegentlich wünscht man sich auch einen Mundschutz gegen Insekten. Wer noch nie eine Fliege verschluckt hat, der fährt nicht wirklich mit dem Rad. Ein Horror, wenn man eine Wespe beim tiefen Einatmen erwischt ...
7. Pedale und Schuhe
Plattform-, Klickpedale oder Bärentatzen?
Meine Erfahrung ist, dass es nur sehr wenige universell verwendbare und praxisgerechte Pedale gibt. Entweder bieten sie bei Feuchtigkeit keinen Halt (rutschiger Kunststoff), haben schlechte Lager (knackende Kugellager*1)) oder sind unverhältnismäßig teuer. Bärentatzen und Plattformpedale mit Spikes sind auf Schiebestrecken tückisch, da man sich damit das Schienenbein blutig stoßen kann. Man liest hierzu sogar die Empfehlung, das entsprechende Pedal bei langen Schiebestrecken abzumontieren - aber wer nimmt sich schon so viel Zeit für die Schrauberei?
*1) Knackgeräusche werden häufig auch vom Innenlager (Kurbel) erzeugt. Häufig ist die Innenlager-Kartusche gar nicht defekt, sondern nur schlecht montiert oder ein Opfer von Schutz zwischen Kartusche und Rahmen. Wenn sich das Lager bei abgenommener Kette lautlos drehen läst: Ausbauen (Spezialwerkzeug ist notwendig), alles gut reinigen und mit viel Fett wieder in den Rahmen einschrauben.
Klickpedale sind nach Meinung des Autors beim Offroad Biken total fehl am Platz! Die verbesserte Ergonomie steht in keinem vernünftigen Verhältnis zum Verletzungsrisiko. Ein unfreiwilliger Abstieg von Bike passiert immer unplanmäßig und lässt nie Zeit zum Ausklicken. Das führt fast immer zu einem Sturz mit schweren Verletzungen! Der Autor vergisst nie die Situation, als auf einem Singletrail ein Biker entgegen kam so dass wir beide Absteigen mussten. Er wäre wegen seiner Klickis beinahe den Abgrund hinunter gestürzt.
Anders bei einem Trike. Hier bedeuten Klickis einen Sicherheits- und Komfortgewinn, weil damit die Füße nicht von den Pedalen fallen können, die Beine entspannt in den Pedalen hängen können und ein Trike (wegen der drei Räder) nicht umfallen kann.
Schuhe
Im Handel werden spezielle Schuhe für Radfahrer angeboten. Wer auf Klickpedale schwört oder es sich leisten kann für jeden Fall die passenden Schuhe dabei zu haben, der braucht eventuell so etwas. Der Autor bevorzugt auf Offroad Touren bequeme Trekking Laufschuhe. Man hat hierzu auch die viel größere Auswahl. Die grobe, aber weichere Sohle steht relativ rutschfest auf den Plattformpedalen und bietet auf Schiebe- oder Tragestrecken mit glattem Untergrund einen besseren Halt. Für Fahrten mit dem Liegerad (Trike) kommen vorzugsweise nur Schuhe für Klickpedale in Frage.
Für Regen oder Winterkälte bewähren sich Gamaschen, die man sich einfach über die Schuhe zieht. Sie sind aber ungeeignet im Gelände, wenn man das Bike schieben muss. Auch können sie dazu führen, dass man erst recht nasse Füße bekommt, weil die Füße schwitzen. Sie müssen deshalb einfach an- und ausziehbar sein. Nicht zu vergessen eine ist dichte Plastiktüte um die verdreckten Gamaschen wieder in den Rucksack stecken zu können.
8. Werkzeug, Erste Hilfe und Gepäck
8.1 Was sollte man dabei haben?
Besonders während einer Offroad Tour ist man oft stundenlang abseits der Zivilisation unterwegs und somit auf sich alleine angewiesen. Die folgende (Minimal-) Ausrüstung empfiehlt sich deshalb nicht nur für Notfälle:
- Erste Hilfe Set mit zusätzlichen Einmal-Handschuhen und Reinigungstüchern, die auch bei Pannen nützlich sein können,
- Handy mit gespeicherten lokalen (!) Notfallnummern, der Akku muss unbedingt zuverlässig sein. Deswegen sollte man das Handy nur bei Bedarf einschalten! Ein Smart Phone mit GPS Empfänger, das man wohl möglich gleichzeitig zur Navigation verwendet, ist dazu nur bedingt geeignet. Es sei denn, man hat als "eiserne Reserve" einen Ersatzakku (ab 15 €) dabei ...
- Schweizer Taschenmesser, es ist auch nützlich für die Brotzeit unterwegs...
- Universal-Werkzeug mit Kettennieter und den wichtigsten Schlüsselgrößen des Bikes,
- kompakte Luftpumpe, Reifenmontier-Werkzeuge, einen Ersatzschlauch (hier zu einem Erlebnisbericht der zeigt, warum man das alles dabei haben sollte), Flickzeug, damit man (im Fall einer zweiten Panne) den defekten Schlauch reparieren kann,
- bei langen Touren: Ersatzspeichen, jeweils passend für Vorder- und Hinterrad mit Ersatznippel, Tipp: man kann sie in eine Plastiktüte einwickeln und in der Sattelstütze verstauen und z.B. mit einem Korken sichern,
- eine kleine Taschenlampe als Hilfsscheinwerfer (siehe mein Tunnelerlebnis), bzw. als Notlicht, wenn man das Ziel vor Eintritt der Dämmerung nicht erreicht. Noch besser ist es, wenn man gleich einen Power-LED Scheinwerfer für den Helm dabei hat.
- wasserdichte Kunststoffbeutel für Dokumente und Karten, hierzu bewähren sich die Klarsichtbeutel, wie sie z. B. für den Kleinkram bei Kontrollen vor Flugreisen angeboten werden.
8.2 Checkliste
Hier der Vorschlag für eine Checkliste zur Planung mehrtägiger Touren, wie z. B. eine Alpenüberquerung, bei der man nicht mehr wie das Mountainbike und einen Rucksack dabei hat. Eine Checkliste ist eigentlich unverzichtbar, denn man muss sich gut überlegen, was man alles wirklich dabei haben muss und ein Rucksack ist schneller voll als man denkt. Zum anderen fehlen unterwegs ausgerechnet dann irgend welche Kleinigkeiten, wenn weit und breit kein Laden in Sicht ist. Zum Öffnen der Checkliste (PDF-Datei) auf das Bild rechts klicken.
8.3 Packen
Wenn man in einer Gruppe fährt, dann kann man vieles davon auf mehrere Rucksäcke verteilen. Also vorher absprechen! Einiges davon sollte im Notfall schnell griffbereit sein. Ein Rucksack muss deshalb möglichst viele Fächer haben, die systematisch gefüllt werden. Zu empfehlen ist auch eine kleine Tasche am Bike oder eine Satteltasche für Erste Hilfe und Werkzeug. Ein Rucksack kann schnell zu schwer und somit sehr unbequem werden. Man sollte bei langen Touren, wie z.B. bei einer Transalp nicht am Rucksack sparen! Hier die Erfahrungen des Autors: Gepäck und Rucksack während des Alpencross 2007.
Warnung: Ein schwerer nicht richtig angeschnallter Rucksack kann beim Bremsen nach vorne rutschen und den Helm über die Augen schieben. Was dann passiert, kann man sich leicht ausmalen ...
8.4 Gepäckträger
Ein Gepäckträger entlastet den Rucksack! Dieser widerspricht zwar der Philosophie des Mountainbikens. Aber es geht hier um stundenlange Offroad-Touren! Der Autor hat mit einem Mountainbike Gepäckträger gute Erfahrungen gemacht (siehe Beispiel während einer 75 km Tour auf Teneriffa 2003). Er muss so an der Sattelstütze montierbar sein, dass sich der Sattel ohne Werkzeug tiefer stellen lässt und die Schelle nicht an den Oberschenkeln scheuert. Sehr wichtig ist, dass man bei Downhills das Gesäß weit genug nach hinten schieben kann, ohne dass Gepäckstücke oder der Gepäckträger selbst im Weg sind.
Noch etwas komfortabler ist die hier gezeigte Lösung: MTB mit Fotokoffer.
9. Trinkwasser und Flaschenhalter
Für lange Touren bei hohen Temperaturen, wie zum Beispiel auf Teneriffa die Barranco del Rio Tour oder die Teide-Umrundung, sollte man mindestens drei Liter Wasser dabei haben. Das Trinkwasser muss frisch und die Trinkflasche absolut sauber sein. Im Rucksack integrierte Wasserblasen oder die schönen bunten und meist zu kleinen Trinkflaschen sind unter diesen Bedingungen aus hygenischer Sicht eher als kritisch zu bewerten. Im Urlaub ist das sorgfältige Reinigen einfach nicht machbar. Ausserdem kann man es sich leisten, für eine Trinkpause öfters einmal kurz anzuhalten. ... denn wir sind im Urlaub und nicht auf der Flucht.![]()
10. Klingel
Es gibt leider sehr viele Kameraden, die sich ein mehrere tausend € teures Bike, aber keine Glocke für 3 € leisten können. Es ist doch wohl zweifellos grob fahrlässig, wenn man als Radfahrer Wanderer oder langsamere Radfahrer ohne Warnzeichen überholt! Man weiß nie, ob die eventuell im letzten Moment einen Schlenker machen. Dummerweise bricht man sich auch seine eigenen Knochen dabei. Wer dieses Teil noch nicht angeschraubt hat, sollte einmal ernsthaft darüber Nachdenken! Hier ein paar Infos zur Rechtslage. In einigen Gebieten gehört eine Klingel sogar zur Pflichtausrüstung um die Wege benutzen zu dürfen (z.B. im Val d' Uina, siehe Bild).
11. Schlammschutz
Hier noch ein Tipp, der eher für das Biken unter deutschen Wetterverhältnissen gedacht ist. Wer kennt es nicht? Das Bikeshirt und der Rucksack sind gerade frisch gewaschen und schon fliegt der Schlamm wieder bis in den Kragen. Es gibt zwar Leute, die dem Glauben anhängen, dass man als Mountainbiker so etwas fatalistisch hinnehmen muss. Der Autor gehört jedenfalls nicht dazu! Manchmal läßt es sich trotzdem nicht verhindern ... Hier der Bericht von der Esperanza Tour auf Teneriffa 2008, bei der es gnadenlos "gesaut" hatte.
Nun gibt es im Zubehörhandel tolle Schutzbleche (Dirt Boards) für Mountainbikes, aber ich frage mich, ob die Designer dieser Teile schon jemals selbst damit gefahren sind? Der Schlamm hat auf jeden Fall andere Flugbahnen, als es sich die Designer vorgestellt haben. Eigentlich könnte man sich das Geld dafür sparen.
Im Foto ist der seit Jahren (bewährte) Versuch für eine Lösung dieses Problems zu sehen.
- Ein abgesägtes Schutzblech (rechts) ist mit Kabelbindern fest an die Hinterradaufhängung montiert, (was bei Fullys mit Viergelenker-Radaufhängung nicht ganz einfach ist).
- Der standardmäßig viel zu kurze Schmutzabweiser wurde mit einer halbierten Einwegflasche verlängert (im Bild links zu sehen).
.. eine billige, aber hoch effektive Lösung. ![]()
Gegen nasse Füße auf Grund des vom Vorderrad hochspritzenden Wassers helfen wohl nur Gamaschen ...
12. Training und Fahrtechnik
Bike Touren und ein Bike Urlaub sollen primär der Erholung dienen. Wenn man sonst wohl möglich nur am Schreibtisch sitzt und ausschließlich das Auto benutzt, dann sollte man sich ohne entsprechendes Training nicht zuviel zumuten. Es geht hier nicht nur um Muskelkater und wundes Sitzfleisch, sondern auch um das erhöhte Unfallrisiko. Eine Bewertung des Trainingszustandes beinhaltet deshalb nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch die Beherrschung der Fahrtechnik. Ein wichtiges Sicherheitselement ist dabei, dass man seine eigenen Grenzen erkennt. Fehlende Ausdauer führt oft zu erhöhter Risikobereitschaft.
Auch wenn es die Werbung gerne anders behauptet: Überteuerte Drinks und Kraftriegel sind kein Ersatz für fehlendes Training und gesunde Ernährung! Über die Folgen und Nebenwirkungen von diesem Zeug möchte ich hier lieber nicht schreiben. Es würgt mich schon alleine bei dem Gedanken!
12.1 Ausdauer
Für das Ausdauertraining reicht ein einfaches Bike. Ausdauer kann man überall trainieren. Aber wer in einer eher flachen Gegend zu Hause ist, der hat leider kaum Gelegenheit auf realen Bergstrecken zu trainieren, für die ein Mountainbike eigentlich konstruiert ist. Ausdauer kann man aber auch trainieren indem man möglichst lange versucht eine hohe Geschwindigkeit bei optimaler Trittfrequenz zu halten.
12.2 Trittfrequenz
Vielen Radfahrern ist nicht bewusst, dass sie mit viel zu niedrieger Trittfrequenz unterwegs sind und deshalb wegen z. B. schmerzender Kniegelenke vorzeitig "schlapp" machen. Um dies zu erkennen sollte man einmal Rennrad-Profis beobachten. Sie fahren im Vergleich zu Gelegenheits-Bikern mit doppelt so hohen Trittfrequenzen.
Typische Beispiele für die Trittfrequenz während einer Alpenüberquerung finden man z. B. in den Diagrammen des Alpencross 2007. Der Autor *3) ist auf Grund seines Alters kein Supersportler, aber die Trittfrequenz liegt auf den Bergstrecken immer bei etwa 80 Kurbelumdrehungen pro Minute (RPM). Um die ideale Trittfrequenz zu bestimmen benötigt man nicht unbedingt einen teuren Rad-Computer. Es reicht wenn man sich die für sein Bike wichtigsten Übersetzungen berechnet und merkt. Hier ein Beispiel zur: Gangwahl für die optimale Trittfrequenz.
12.3 Fahrtechnik
Fahrtechnik kann man wohl nur in der Praxis üben. Es gibt hier zu eine Menge von Tipps im Internet und in der Fachpresse. Zu empfehlen ist z. B. das Buch NO WAY - Bike Trial Tricks für alle Mountainbiker (Verlag: Delius Klasing, ISBN 3-7688-0792-4). Ob man als Touren-Biker alle hierin beschriebenen Fahrtricks wirklich beherrschen muss, wage ich zu bezweifeln. Aber das Üben im (sicheren Gelände) kann niemals schaden. Es trägt auf jeden Fall zur Fahrsicherheit bei. Wenn man hierdurch nur einen Sturz verhindern konnte, dann hat es sich schon gelohnt!
Viel Fun ist garantiert, wenn man zum Beispiel an einem Fahrtechnik Event auf La Palma teilnimmt. Damit kann man auch sehr gut die "Bike Saison" verlängern.
Hier einige Fahrtechnik Tipps zum Bremsen.
*3) Das tägliche "Training" des Autors: Immer wenn es das Wetter erlaubt, dann mit dem Mountainbike (oder Liegerad) ins Büro fahren. Die morgentliche Tour beginnt mit einem Anstieg über 100 Höhenmeter. Oben rast dann der Puls mit 150 und mehr. Abends geht es auf dieser Strecke wieder hinunter, wobei gefühlvolle Bremstechnik gefragt ist. Täglich kommen so etwa drei Stunden Fahrzeit zusammen, wobei der Bike Computer täglich etwa 500 Höhenmeter dazu addiert. Im Jahr kommen so zwischen 5000 bis 10 000 km zusammen. Aber das Beste dabei ist, dass die abendliche Tour ganz nebenbei den Arbeitsstress abbaut und so Geist und Körper in Einklang bringt. ![]()
13. Fazit
Eine erfolgreiche Biketour und ein erholsamer Bike-Urlaub beginnt mit der Vorbereitung daheim: Checkliste schreiben, das Bike checken, Verschleißteile erneuern, die Ausrüstung testen und optimieren. Aber vor allem das gesamte Jahr über Trainieren.
