Nachführplattform für 18" Dobson
So genial ein Teleskop mit Dobsonmontierung auch ist, einen wichtigen Nachteil hat diese Art ein Fernrohr den Sternen auszurichten: Keine Nachführmöglichkeit. Zumindest war ich lange Zeit davon überzeugt. Irgendwann kam ich dann per Zufall auf Seiten im Internet, wo Leute ihre Dobsons auf 2 Brettl stellen, die sich gegeneinander bewegen und sowas wie eine Nachführung sein soll. Also ich war da erstmal sehr skeptisch, ob das geht.
Nun traf es sich, daß die Teleskope immer größer wurden und wenn man schon so ein Ungetüm da hat, will man auch näher ans Objekt, sprich, die eingestellten Vergrößerungen wuchsen auch. Vor einiger Zeit wollte ich, verwegen wie ich nunmal bin, eine möglichst große Anzahl der Monde ausfindig machen, die Uranus umkreisen. Eine hohe Vergrößerung ist da ausgesprochen vorteilhaft. Schnell fand ich es aber nicht mehr lustig, daß meine CPU in meinem Kopf bei 570facher Vergrößerung mehr mit Nachführen beschäftigt war, als mit Datenanalyse. Bis etwa 200facher Vergrößerung fand ich die händische Nachführung noch recht problemlos. Die Entscheidung für das Kippbrettl war gefallen.
Mein 18er Starsplitter-Dobson hat immerhin ein Kampfgewicht von 55kg. Dies war für mich auch nie ein Problem, ich muß zum Beobachten nicht einpacken und wegfahren, so daß der Gitterrohrdobson eigentlich immer komplett zusammengebaut bleibt. Auch die Plattform bleibt fest mit der Rockerbox verbunden, das ganze Teleskop wird wie eine Schubkarre aus einem extra dafür vorgesehen Teleskopraum ins Freie gefahren.
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Der massive Dobson stand auch bei windigen Bedingungen sehr ruhig, beim Fokussieren gab's sowieso keine Schwingungen. Die ersten Versuche mit der Plattform haben dies, wie befürchtet, geändert. Der Antrieb war zunächst nicht rutschfest und spielfrei zu bekommen. Durch das hohe Gewicht ist eine gewisse Kraft deim Dobsonschubsen nötig, was ansonsten auch kein Problem war. Nun habe ich eine Lösung gefunden, daß der Starsplitter wieder der Alte ist, aber mit Nachführung. Hier sieht man die Plattform abgebaut, aber noch vor den Umbauten!
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Das Grundkonzept ist den Plattformen von Reiner Vogel nachempfunden, ein herzliches Dankeschön für die detaillierte Beschreibungen auf seiner Homepage. Es ist die Version mit senkrecht gestellten Nordsegmenten, die ich entsprechend dem Radius bis zum Südlager gekrümmt habe. Sie sind aus Stahl, die Kurvenform als Ellipsensegment mittels Grafikprogramm erstellt (Formeln aus Rainer Vogels Homepage) und die Winkel zur Stabilisierung auf der Unterseite der Rockerbox-Bodenplatte sind direkt angeschweißt. Für den schlupffreien Antrieb habe ich die Nordsegmente mit Schleifleinen belegt.
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Die Einblickhöhe ist nun 66mm höher, die Original-Bodenplatte der Rockerbox konnte ich weglassen. Als Südlager verwendete ich ein Kegelrollenlager, eine durchgehende Schraube verbindet die beiden Teile dieses Lager und damit sind die beiden Platten der Plattform auch fest miteinander verschraubt und können nicht auseinanderfallen. Das folgende Bild zeigt die Platten noch getrennt, vor den Umbauten (Getriebeeinheit geändert)!
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Die erkennbaren Klappverschlüsse sind auch weggefallen, waren zu unsicher. Auf der Nordseite werden die Platten zum Transport mittels Schieberiegel gesichert. Das freilaufende Nordlager besteht aus einem Stück Stahlrohr, in dem 2 Kugellager eingepaßt sind und auf einer 8mm Welle laufen:
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Die Antriebswelle hat mir die größten Probleme bereitet, das Zahnrad und das Antriebsrad waren in der ursprünglichen Version kaum mit der 5mm Stahlwelle absolut fest zu verbinden. Als Welle habe ich nun eine 10mm Gewindestange verwendet, die hat den Vorteil, daß man mit Muttern die Antriebsteile spielfrei mit der Welle kontern kann. Alle Teile sind praktisch zusammengepreßt. Statt den Gleitlagern habe ich jetzt Rillenkugellager verwendet und das Antriebsrad ist aus stabilem Kunststoff.
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v.l.n.r.: Kontermutter - Mutter - UScheibe - Zahnrad - 2UScheiben - Kugellager - UScheibe - Antriebsrad - UScheibe - Kugellager - UScheibe - Mutter - Kontermutter
Zum Einnorden drehe ich vor dem Absetzen des Dobsons auf die Erde die Plattform parallel zur Rockerbox und schaue, daß der Tubus möglich genau in Richtung Polarstern zeigt. Dann stelle ich das Teleskop ab und mit 2 Holzkeilen bringe ich die Plattform in die Waagrechte. Höhenverstellbare Füße wollte ich wegen Wackelgefahr nicht. Wenn die Nachführzeit abgelaufen ist, kann die Getriebeeinheit zum Zurückstellen einfach zurückgezogen werden, eine Feder bringt sie wieder automatisch in Arbeitsposition. Die Nachführgeschwindigkeit läßt sich stufenlos einstellen. Von conrad ist der Getriebemotor, der eine Übersetzung von 1:600 besitzt. Die Ausgangswelle dreht sich mit 1 - 2 U/min. Dann kommt noch das Schneckengetriebe mit 1:40.
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Ich hatte erst daran gedacht, einen Schrittmotor zu installieren, der nach dem Endpunkt wieder zur Ausgangsposition zurückfährt. Das wäre aber übertrieben gewesen, aber eine gewisse Regelung braucht man schon. Ich habe eine Spannungsregelung gebaut mit dem low-drop Regler LT1086, dieser braucht nur 0,8V mehr Eingangsspannung zum Ausgang. Das schöne ist, die Ausgangsspannung ist unabhängig von der Eingangsspannung. Damit bleibt die Drehzahl auch bei schwächelndem Akku konstant. Die Betriebsspannung am Motor ist etwa 2V, die gesamte Schaltung braucht mit LED und Motor etwa 50mA. Die Steuerung habe ich auf Lochrasterplatine zusammengelötet. Die Laufzeit ist gut 1 Stunde, mittels Microschalter schaltet sich der Antrieb am Ende der Laufzeit automatisch ab.
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