2. Die Verbreitung des Wiedergeburtsglaubens auf der Erde

Der Glaube an die Wiedergeburt ist auf der Erde weit verbreitet und findet sich beim größeren Teil der Menschheit. Dies beweist natürlich nichts; ich erwähne es nur, weil viele Menschen der westlichen Welt meinen, dass nur die Bewoh­ner Südostasiens und Tibets an Reinkarnation glauben. Tatsächlich aber glau­ben – nach der sorgfältigen Zusammenstellung Stevensons – die Einwohner vieler anderer Teile der Welt ebenfalls an Reinkarnation. (Ian Stevenson, Wiedergeburt, Frankfurt 1992)

Anmerkung: Manche der hier zitierten Bücher sind vergriffen, jedoch in Antiquariaten erhältlich, insbesondere bei http://www.abebooks.de/

 

An Reinkarnation glauben zum Beispiel:

·         große Gruppen schiitischer Mohammedaner Westasiens,

·         die Einwohner West- und Ostafrikas, soweit sie noch nicht gänzlich zum Islam oder zum Christentum bekehrt worden sind,

·         eine große Minorität der Einwohner Brasiliens. Ihr Glaube scheint von Vorstellungen abzustammen, die von Afrikanern (Negersklaven) nach Brasilien gebracht wurden, wo sie sich mit spiritistischen Konzeptionen mischten, die im 19. Jahrhundert aus Frankreich importiert wurden,

·         Indianer des nordwestlichen Nordamerikas (Tlingits),

·         Eskimos von Grönland und Nordkanada bis Alaska.

Auch zahlreiche andere Völker glauben an Reinkarnation, von denen nur noch einige erwähnt werden sollen:

Anthropologen des 20.Jahrhunderts haben diesen Glauben bei den Bewohnern der Trobriand Inseln (Teil von Papua-Neuguinea), bei den Stämmen Zentral­australiens und bei den Ainu (Urbevölkerung Japans) vorgefunden. Demnach scheint die Reinkarnation zum Glaubensgut vieler alter Völker und Kulturen zu gehören. Auch dies beweist natürlich nichts, gibt aber doch zu denken: Wie kommt es, dass sich diese Idee gegen mehrere konkurrierende andere so entschieden durchgesetzt hat? Könnte sie nicht auf Erfahrungen beruhen, wel­che die Menschen früher gemacht haben und vielleicht auch in der Gegenwart noch machen oder zumindest machen könnten, wenn sie sich nicht dagegen sträubten? – Ich werde später darauf zurückkommen.

In der Geschichte des Abendlandes findet man den Glauben an die Wieder­geburt bei den Kelten Mittel- und Westeuropas ebenso wie bei den Wikingern Islands und Skandinaviens. Evans-Wentz (1911) entdeckte Hinweise auf ein Weiterbestehen des Reinkarnationsglaubens unter den keltischen Einwohnern Schottlands, Wales und Irlands noch in den frühen Jahren des 20. Jahrhun­derts.

Mit dem Reinkarnationsglauben der Gallier befasste sich Julius Caesar (De bello Gallico). Von ihren Priestern, den Druiden, schrieb er: „Die Hauptdoktrin, welche sie zu lehren suchen, besagt, dass Seelen nicht sterben, sondern nach dem Tode von einem (Körper) in einen anderen übergehen; und diesen Glau­ben halten sie für den höchsten Ansporn zur Tapferkeit, da die Angst vor dem Tode ausgeschaltet ist."

Die weite Verbreitung des Glaubens an Wiedergeburt auf der Erde ließ Schopenhauer bemerken: „Wenn ein Asiate mich nach einer Definition für Europa fragen würde, müsste ich ihm antworten: Es ist der Teil der Welt, der vollständig von der unerhörten und unglaublichen Täuschung beherrscht wird, dass eines Menschen Geburt sein Anfang sei und dass er aus nichts geschaffen werde." (Parerga und Paralipomena) Seit der Zeit Schopenhauers haben viele Europäer den von ihm beklagten Unglauben aufgegeben. Eine Umfrage, die 1968 von Gallup International durchgeführt wurde, ergab, dass damals achtzehn Prozent der Menschen in acht europäischen Ländern an Reinkarnation glaubten. Ein Jahr später zeigte eine ähnliche Umfrage, dass zwanzig Prozent der befragten US-Amerikaner und sechsundzwanzig Prozent der Kanadier angaben, an Reinkarnation zu glauben. Bei einer späteren Umfrage in den USA (veröffentlicht 1982) bejahten dreiundzwanzig Prozent derer, die antworteten, den Reinkarnationsgedanken.

 

Weiter                                            Zurück zum Inhaltsverzeichnis