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SF-Online
Editor:
Dr. Gert Vogel
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SF-Online: Archiv "Diverses"
Inspiration
eine SF-Kurzgeschichte von Denis Scheck
Es war abends, die weiße Sonne schickte ihre letzten, kalten Strahlen zur
feuchten Erde. Dunkelheit senkte sich langsam tastend über das offene Land. Er
fühlte sich klamm und unwohl. Er hätte vielleicht doch auf den Rat des Wirtes
hören und erst am nächsten Morgen aufbrechen sollen, doch er musste in zwei Tagen
in Goslar sein und wollte keine Minute unnütz verstreichen lassen. Der Wald
wirkte unheimlich, bedrückend, kein Wunder, daß um ihn so viele Geschichten
kursierten. Nebel kam auf. Die knorrigen Bäume vor ihm sahen aus wie riesige
Geister mit unzähligen Händen, die ihn packen wollten. Jede Wurzel wurde zur
Klaue, jeder Ast zur tödlichen Lanze. Er gab seinem Pferd die Sporen. Der Weg
kam ihm bedeutend länger vor wie man ihn ihm beschrieben hatte, sollten denn
nicht schon die ersten Lichter zu sehen sein? Das Pferd wurde zusehend
unruhiger, fast schien es, daß jeder seiner Schritte unwilliger getan wurde,
wohlwissend der Gefahr, die in dem nebeligen, undurchdringlichen Unterholz
lauerte.
"Uns nützt kein gewöhnlicher Mensch, die meisten haben nicht einmal eine
Schulbildung IV.Klasse und vertrauen auf ein übergeordnetes Wesen, das sie
"Gott" nennen. Was wir brauchen, ist ein Gelehrter, der soweit von den Dogmen
und begrenzten Naturwissenschaften seiner Zeit entfernt ist, daß er unsere
Existenz überhaupt anerkennt und sie nicht gleich auf den Teufel - der
Gegenspieler in ihrer lächerlichen Mythologie - zurückführt." Mit einer
entschiedenen Geste seines 3.Tentakels von links beendete Woo Dwarth seine
Ausführungen und alle warteten nun gespannt auf die Meinung Gas Jöhrns, des
Führers der Expedition.
"Ich kann Dir nur zustimmen, allerdings möchte ich keinen weiteren Versuch als
diesen letzten durchführen. Nach den letzten Sparmaßnahmen des Galaktischen
Rates haben wir sowieso zuviel vertan, um diese Bewohner auf uns aufmerksam zu
machen. Außerdem ist der Galaktische Rechnungshof besonders streng geworden,
seit Fanz O'Sef dieses Ressort persönlich übernommen hat. Konkret bedeutet dies,
daß wir entweder diesmal Erfolg haben oder uns endlich wichtigeren Aufgaben
widmen. Es sei denn, die Herren würden freiwillig ohne Gehalt an diesem Fall
weiterarbeiten."
Geistesgegenwärtig sagte Erbert W'Ner, der seinen Urlaub in Gefahr sah: "Dies
dürfte für die Eingeborenen auf keinen Fall von Nutzen sein, da verschiedene
Beispiele auf den Planeten des Sirius doch ein wandfrei beweisen, daß es eher
lohnen würde, noch 1000 Jahre zu warten."
Beifälliges Reiben der Vorderschuppen folgte, und so bereitete der
Wissenschaftliche Stab alles für den letzten Versuch vor.
Plötzlich traf ihn mit ungeheurer Wucht ein Schlag vor den Kopf. Benommen hielt
er inne und schaute nach dem Verursacher aus, als eine Stimme von ringsum auf
ihn einstürmte: "Komm mit uns, vertraue uns, habe keine Angst! Wir bringen Dich
in eine andere Umgebung, wo Du es gut haben wirst." "Wer seid Ihr? Ich sehe
niemanden, es ist voller Nebel." "Wir sind ein Teil des Nebels, habe keine
Angst! Komm mit uns, in unser Land!" "Ich durchschaue Euch, Ihr seid Geister,
Ihr wollt mich umbringen!" Mit einem panischen Angstschrei wendete er sein Pferd
und ritt kopflos davon.
Drei Tage später saß Johann Wolfgang von Goethe in seinem bequemen Sessel in
Goslar und wunderte sich, was man sich nicht so alles einbilden, wie hautnah man
selbst die verrücktesten Einfälle des Geistes erleben kann. Er machte daraus ein
hübsches Gedicht ......
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