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SCIENCE FICTION & FANTASY, KRITISCH GELESEN von Gert Vogel

  • Der Bronzedrache

  • Unter den magischen Monden

  • Isaac Asimovs SF - Magazin 23

  • Das Spinnenloch

  • Der Zauberstein von Camelon

  • Das Geheimnis der Geisternebel

  • Es war dreimal

  • Der blaue Adept

  • Denkspiele aus der Zukunft

  • Die Zaubermacht der Dame

  • Pelbar-Zyklus

  • Das erste Buch der Schwerter

  • Auch keine Tränen aus Kristall

  • Geschichten aus dem Ringwelt-Universum

  • Die Asche des Imperiums

  • Das Zeitalter der Sterne

  • Sternenflut

  • Zeitschaft

  • Die Königskinder, Band 1: Prinzessin Aidris


Zu Beginn sollen heute einige Titel aufgezählt werden, die mir aus verschiedenen Gründen etwas sauer aufgestoßen sind. An erster Stelle steht da "Der Bronzedrache" von Marion Zimmer Bradley. Deren Romane werden anscheinend von den Verlagen nicht mehr gelesen, sondern nur noch in ganz bestimmte Schubladen eingeordnet. 

Schublade 1: Marion Zimmer Bradley schreibt Fantasy ! Also kann man jedes Buch mit diesem Etikett versehen! Falsch. Die gute Marion schreibt auch Fantasy. Dieses Buch ist aber eine ganz triviale Weltraumschnulze. 

Schublade 2: Marion Zimmer Bradley ist eine Schriftstellerin, die lauter gute Romane schreibt. Auch falsch! Dafür gibt es gute Beispiele genug. "Der Bronzedrache" ist ein solches. Zwar hat das erste Drittel dieses Romans noch Anflüge ihres mitunter ausgezeichneten Fabuliertalents aufzuweisen, aber bereits einige Szenen, in denen sie versucht, etwas Humor in die Geschichte einfließen zu lassen, lassen Schlimmes erahnen, ist dieser Humor doch noch unter dem Niveau der amerikanischen TV-Soap-Operas angesiedelt. Der Leser ist also schon vorgewarnt, als sie dann versucht, eine mehr als konventionelle Space Opera zu konstruieren. Das Ergebnis ist ein drittklassiger Roman, der ohne ihren Namen auf dem Umschlag wohl nie seinen Weg in die deutschen Lektorate gefunden hätte. Mit der Veröffentlichung hat man ihr keinen Dienst erwiesen. (Heyne Phantasia 4144)

Platt und klischeebeladen ist auch der erste Band einer neuen Trilogie von Jo Clayton: "Unter den magischen Monden" (Knaur 5787). Bei diesem Versuch, nach dem Erfolg ihrer Diadem-Reihe sich auf dem Gebiet der "reinen" Fantasy zu versuchen, ist sie über ihre eigene Schreibroutine gestolpert. In ein bewährtes, vorgeblich Spannung erzeugendes Korsett eingezwängt, bietet ihre Geschichte aber nicht genug, um diesen Aufbau zu rechtfertigen. Das Ergebnis ist Langeweile, die Fortsetzungen sind obligatorisch.

Isaac Asimovs SF - Magazin 23 ist ein weiteres Beispiel für den Zwang zur Fortsetzung. Warum hat keiner den Mut zu sagen: Nr. sowieso fällt aus, weil wir nicht genug gute Geschichten haben. In diesen Bänden macht sich immer mehr die konstante Mittelmässigkeit breit. Eine Geschichte nach der anderen ist derart, daß man sie Minuten nach dem Lesen bereits wieder vergessen hat. Das einzig Erwähnenswerte an dieser Ausgabe dürfte ein Satz von Pat Cadigan sein (S. 58), den sich mancher über seinen Schreibtisch hängen sollte: "Man kann über Geschmack streiten, aber man kann ihn nicht verhindern !" (Heyne 4140)

Auch der suhrkamp-Verlag ist nicht nur auf Spitzentitel abonniert. Zwar ist es anerkennenswert, daß auch dieser Verlag gleichberechtigt zu großen Phantasten in seiner Phantastischen Bibliothek deutschen Schriftstellern die Gelegenheit zur Veröffentlichung ihrer Werke gibt, doch sollte dies - wie alles besser nur in Maßen geschehen. Gerd Maximovic ist zweifelsohne ein guter Schriftsteller, das hat er bereits bewiesen, und das beweist er zumindest auch in der ersten Story seiner Sammlung "Das Spinnenloch" (suhrkamp st 1035). Was er aber in dieser Sammlung nicht zeigt, ist Abwechslung. Statt einer Themenvielfalt bringt er immer wieder die gleiche Bewältigung eigener Alpträume und Phobien, überträgt diese auf das Vehikel SF, was ihm die Möglichkeit gibt, unter dem Vorwand der Beschreibung des "Abenteuers Weltraum" sich ausgiebig mit schleimigen, monströsen, schwarzen, bedrohlichen, und was der klischeehaften Adjektive mehr sind, Massen, Fratzen und Dingern abzugeben. Bei einer Einzelstory, isoliert unter anderen in einer Anthologie, mag dies möglicherweise nicht auffallen, in dieser Massierung wie hier wird es bald unerträglich. Man kann nur hoffen, daß Maximovic sich von seinen Alpträumen lösen kann.

Zum Schluß der Aufzählung möchte ich noch die neue Fantasy-Reihe des Pelikan-Verlags erwähnen. Martin Eisele, bekannter wohl als Übersetzer, hat eine Serie von Fantasy-Abenteuern für Jugendliche, "Camelon", begonnen. Zwei Bände liegen mir vor, "Der Zauberstein von Camelon" und "Das Geheimnis der Geisternebel". Wie mir Uwe Luserke, der die Reihe betreut, mitteilte, will bzw. wollte Martin Eisele darin außer Action auch den Jugendlichen Denkantöße geben. Ansätze dazu findet man ab und zu, wenn auch sehr sporadisch. Was man allerdings dazu sagen soll, ist eine andere Sache. Da Eisele nicht dazu kommt, sich etwas breiter auszudrücken, bleiben sie in dieser Form im Oberflächlichen stecken, bieten nur Schlagworte wie Umweltzerstörung, saurer Regen, Waldsterben, usw., ohne auf Gründe oder Lösungen einzugehen. Was übrig bleibt, ist ein verkaufsfördernder grüner Touch - wohl nicht das, was Eisele beabsichtigt hat. Der Grund ist beim Verlag zu suchen. Alles was nicht Action ist, wird gestrichen. Der Rest, zunächst als Vehikel, als Verpackung für eine Aussage gedacht, macht sich selbstständig, ist dünne, oberflächliche Unterhaltung, weder besonders stichhaltig noch spannend, eben deutsche Fantasy, die man verkaufen kann. Aber empfehlen kann ich sie in dieser Form wirklich niemandem.

Kommen wir zu erfreulicheren Dingen. Bei Moewig sind einige sehr gute Titel erschienen. An erster Stelle wäre zu nennen: "Es war dreimal" von James P. Hogan (Moewig 3661). In Moewigs Pressemitteilungen war der Titel übrigens lustigerweise mit Gregory Benford als Autor abgebildet. Anscheinend hat sich aber vor der Auslieferung noch jemand Kompetentes das Titelbild angesehen. Das Bestechende an diesem Buch ist leider nicht so sehr die Geschichte selbst, die erzählt wird, die bleibt etwas blaß, nichtssagend, als vielmehr der innovative Aspekt, der dem SF-Subgenre "Zeitreisen" hinzugefügt wird. Jeder Autor, der in Zukunft eine Zeitreisegeschichte schreiben will, wird wohl oder übel auf Paradoxa verzichten müssen. Hogan hat in seinem Roman nämlich derart schlüssig und in sich logisch eine Theorie über die Zeitreise und ihre Phänomene aufgestellt, daß die meisten Texte über dieses Thema danach nur noch Makulatur zu nennen sind. (Ausnehmen will ich hier z.B. Heinleins "Im Kreis".) Geschafft hat er dies durch die Einbeziehung der quantenmechanischen Prinzipien, die einst von Heisenberg formuliert wurden. Ins Einzelne kann ich hier schlecht gehen, hat doch Hogan in seinem Buch selbst viele Seiten gebraucht, um seine Theorie zu fundieren. Aber ich rate jedem, sich dieses Werk gut durchzulesen. Es setzt Maßstäbe !

Der zweite Teil von Piers Anthonys Doppelwelt Reihe, "Der blaue Adept" (Moewig 3662/3679) bietet dagegen perfekte Unterhaltung. Da gibt es nichts zu überlegen, da fesselt die Geschichte. Beste Fantasy! Wie bei Anthony oft der Fall, ist auch in diesem Buch ein starkes Augenmerk auf das Spiel gelegt, sowohl auf den sportlichen Aspekt, als auch auf den künstlerischen und auf jene Art, die man am besten mit dem Begriff Denkspiele zusammenfaßt. Dabei ist deutlich zu merken, daß Anthony eifrig Martin Gardners Kolumne im "Scientific American" verfolgt. Gardner hat dort lange Jahre über Denkspiele und mathematische Aufgaben geschrieben. 

Aber Gardner hat sich auch auf verwandten Gebieten versucht. So hat er für Issac Asimovs SF-Magazin ab 1977 Rätsel in kleine SF-artige Geschichten verpackt. Die ersten 36 sind nun auch auf deutsch erschienen. Als Lizenzausgabe des Hugendubel Verlags erschien im Bertelsmann-Ring "Denkspiele aus der Zukunft". Am interessantesten erschien mir Nr. 2 "Das Dilemma der Ärzte", bei dem drei Ärzte eine Frau nacheinander operieren sollen; aber nur zwei Paar sterile Operationshandschuhe haben. Jede Ansteckungsmöglichkeit untereinander soll vermieden werden. Das ursprüngliche Rätsel war etwas vulgärer. Da ging es um drei Mathematiker, eine Prostituierte und zwei Präservative ! Nun, man sollte es nicht glauben - aber es geht !

Wenn ich schon Fantasy-Serien empfehle, dann muß ich auch David Eddings "Auge Aldur"-Zyklus erwähnen, dessen zweiter Band jetzt bei Knaur erschien: "Die Zaubermacht der Dame" (Knaur 5792). Nicht ganz so zauberhaft wie der erste Band, da mehr konventionelle, herkömmliche Fantasy, aber handwerklich gut gemacht.

Eine neue SF-Serie ist auch zu vermelden, die in meiner Gunst nach anfänglichen Vorbehalten ganz oben steht: Paul 0. Williams "Pelbar-Zyklus". Zunächst grauste es mir vor der angekündigten, mindestens siebenbändigen Serie, wird man doch bei Heyne bei einigen Endlosserien nicht gerade von Qualität verwöhnt, aber dann war ich voller Freude, daß der zweite Band bereits in der gleichen Auslieferung war. In den ersten Büchern wird beschrieben, wie nach tausendjähriger Isolation die Nachkommen eines Vernichtungskriegs in Amerika langsam wieder Kontakt miteinander aufnehmen. Dabei erkennen sie, daß Sprache und Kultur gemeinsame Wurzeln haben, und daß ein Zusammenschluß ihrer verschiedenen aufgesplitterten Stämme überlebensnotwendig ist. Diese Erkenntnis kommt ihnen jedoch nicht zugeflogen, sondern muß von einigen wenigen Protagonisten auf die harte Art gelernt werden. Gute, spannende Abenteuerromane, ein wenig in der Tradition von Coopers Indianerromanen ("Wildtöter"), friedliche, nachdenkliche Grundstimmung selbst in den unvermeidlichen Kampfbeschreibungen. ("Die Zitadelle von Nordwall" Heyne 4151, "Die Enden des Kreises" Heyne 4152)

Kämpfe stehen im Mittelpunkt einer weiteren neuen Serie, die bei Knaur begonnen hat: Fred Saberhagens "Schwerter-Zyklus". "Das erste Buch der Schwerter" (Knaur 5791) beschreibt, warum und vor allem wie die unheilbringenden Schwerter in die Welt kommen, übrigens auch ein Amerika nach dem Vernichtungskrieg aber viel weiter in der Zukunft liegend, dazu in eine Fantasy-Welt konvertiert; nachzulesen in "Das Reich des Ostens", Moewig. Der wahre Grund wird aber sein, daß Saberhagen sich nicht schon wieder eine neue Welt ausdenken wollte, und deshalb verzweifelt nach einem Stoff für Fortsetzungen gesucht hat. Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis ein zwar reichlich blutdürstiger Roman, der aber überraschenderweise Spaß beim Lesen macht.

Auch Bestandteil einer Serie, aber nicht so auf der Fortsetzungsmasche reitend, ist der neue Roman von Alan Dean Foster aus der Homanx-Reihe: "Auch keine Tränen aus Kristall" (Heyne 4160). Foster hat es im Gegensatz zu anderen Autoren nicht nötig, die "Cliff-Hanger"-Methode anzuwenden, um Leser für seine Romane zu finden. Was er schreibt, ist bis jetzt immer so gut gewesen, daß man es unbesehen lesen konnte. So ist es auch mit diesem Buch, in dem geschildert wird, wie die Anfänge der Koalition Mensch - Thranx entstanden. Später erwuchs daraus bekanntlich das Homanx-Commonwealth, in dem Foster eine Reihe seiner beliebtesten Romane spielen ließ. Besonders stark hat er sich diesmal mit der Charakterisierung der nichtmenschlichen Thranx beschäftigt.

Eine andere Variante der menschlichen Zukunft hat Larry Niven konstruiert. Seine Romane spielen sehr oft in einem Umfeld, das aus anderen seiner Geschichten bekannt ist. Manchmal sind die Handlungsträger die Verbindung, oft aber nur der pseudohistorische Konsens. In "Geschichten aus dem Ringwelt-Universum" wurde nun der Versuch unternommen, etwas Ordnung in seine Werke zu bringen. Mit Zeittafeln, Anmerkungen und Erklärungen wird eine Chronik der nächsten 12 Jahrhunderte entworfen. Dreizehn Geschichten, die schlaglichtartig die verschiedenen Zeitabschnitte beleuchten, sind in dieser Sammlung zu finden. Schade dabei ist nur, daß man die meisten schon kennt. (Bastei SF-Spezial 24 064)

Galaxisumspannende Imperien sind in einer Anzahl von Büchern zu finden, die in letzter Zeit erschienen sind. Zum Beispiel in Gregory Benfords "Die Asche des Imperiums" (Moewig 3651). Er beschreibt darin, wie die Ausdehnung der Menschheit in der Milchstraße durch eine feindliche Rasse gestoppt wird. Am besten gelungen ist ihm meines Erachtens der Mittelteil, in dem die Lebensumstände und Psychologie einer isolierten menschlichen Kolonie geschildert werden, die von indischen Siedlern gegründet wurde. Vorherrschend bleibt aber immer die Action. Auch wenn das Buch von ihm nochmals überarbeitet worden ist, merkt man doch deutlich, daß sein Können damals noch nicht an das herangereicht hat, was er z.B. in "Zeitschaft" bewiesen hat.

Ein anderes Bild der Menschheit wird von Mike Resnick gezeichnet. In "Das Zeitalter der Sterne" (Knaur 5793) zeigt er den Menschen von seiner schlechtesten Seite. Er geht davon aus, daß die Triebfedern für menschliche Handlungen sich nicht ändern, auch wenn viel Zeit vergeht, und wir uns in der Galaxis tummeln. Und das wären: Habgier, Machtlust, Eitelkeit, usw.. Für die nächsten zigtausend Jahre zumindest. Das vorherrschende Element des Buches dürfte der Zynismus sein, ein recht neuer Aspekt in der SF-Literatur.

Ebenfalls bei Knaur ist ein Roman erschienen, der eine ganze Reihe von Preisen einheimsen konnte: "Sternenflut" (Startide Rising) von David Brin (Knaur 5794). In ihm wird eine Zukunft entworfen, in der die Galaxis von Rassen wimmelt, die von weiter entwickelten Spezies durch Biotechnik über die Bewußtseinsschwelle geluftet wurden. Die Menschheit scheint eine Ausnahme zu sein, da sie dies anscheinend aus eigener Kraft geschafft hat. Allerdings hat sie ebenfalls zwei Rassen "geliftet", die Delphine und die Schimpansen. Der Roman fokussiert sich auf die Geschehnisse, in die das erste Raumschiff, das fast aussschließlich mit Delphinen be"mannt" ist, verwickelt wurde. Sie haben eine Entdeckung gemacht, die anscheinend für die halbe Galaxis begehrenswert genug ist, daß darum eine Raumschlacht ausgetragen wird. Der Preis ist das terranische Raumschiff "Streaker", das sich derweils auf einem Wasserplaneten versteckt hat. Im Mittelpunkt steht nun nicht die Raumschlacht, sondern die psychologischen Auswirkungen dieser verzwickten Lage auf die gemischte Mannschaft des Raumschiffes. Wie man am "Hugo", "Nebula" und "Focus"-Award sieht, ist Brin diese Schilderung ausnehmend gut gelungen.

Ein anderer Roman, der mehrere Preise bekommen hat, ist der schon vorhin erwähnte von Gregory Benford: "Zeitschaft" (Timescape) (Moewig 3652). Wie "Es war dreimal" von Hogan ein Zeitreiseroman, geschrieben von einem Wissenschaftler, und ebenfalls auf die Wissenschaft fokussiert. Aber im Gegensatz zu Hogan hat sich Benford weniger auf das Thema Zeitreise spezialisiert, sondern dies nur als Aufhänger genommen, um dem Leser einen Einblick in das Leben von Wissenschaftlern - Physikern speziell - zu geben. Ganz so eifersüchtig geht es bei uns in Deutschland allerdings nicht zu, da bei uns im Gegensatz zu den USA Wissenschaftler in der Forschung nach BAT und nicht nach Qualität der Veröffentlichungen bezahlt werden. Seit Einführung dieses Prinzips ist zwar auch der Anteil deutscher Nobelpreisträger stark gesunken, der einzige Grund wird dies aber andererseits auch nicht sein. Benford hat jedenfalls ausgezeichnet verstanden, diesen Teil der Geschichte, der in der Vergangenheit spielt, lebendig zu schildern. Die Zukunft anno 1998 erscheint (paradoxerweise) blasser, obwohl er sie in düstersten Farben malt. Insgesamt ist "Zeitschaft" ein Roman, der seine Auszeichnungen verdient hat.

Bei Goldmann ist eine Storysammlung erschienen, von der der Verlag behauptet, sie sei "zum ersten mal in deutscher Sprache erschienen". Es handelt sich um Theodore Sturgeons "Aus vielen Einhorn" (Goldmann 23463). Für die Sammlung als Ganzes mag dies ja zutreffen, die einzelnen Geschichten selbst sind fast alle jedoch schon einmal bei uns veröffentlicht worden. Wie es auch sei, verdient haben sie die erneute Präsentation jedenfalls. Ich finde, diese Geschichten aus den Jahren 1947 bis 1953 sind noch eindringlicher und unverwechselbarer als die späteren Stories von Sturgeon. Angesiedelt im Niemandsland zwischen SF, Fantasy und Horror zeigen sie in ihrer Bandbreite aber auch, was der SF heute manchmal dadurch verloren geht, daß bedeutende Talente es etablierten Vielschreibern nachmachen, und sie sich schon früh auf ein einziges Thema, eine einzige Phantasiewelt festlegen, anstatt wie diese in ihrer Reifezeit erst einmal die Möglichkeiten der phantastischen Literatur von einem zum anderen Ende auszuloten.

Von Cherry Wilder ist ebenfalls bei Goldmann eine neue Fantasy-Trilogie gestartet worden: "Die Königskinder, Band 1: Prinzessin Aidris" (Goldmann 23859). Cherry tut sich am Anfang der Geschichte etwas schwer, als sie die Jugend der Titelheldin beschreibt. Wenig später dann, nach einem Sprung von einigen Jahren, ändert sich das aber schlagartig. Die Prinzessin wird durch widrige Umstände aus ihrer adligen Stellung vertrieben. Dadurch wird sie auch dem Leser vertrauter, er kann sich nun mit ihr identifizieren, ihre Abenteuer miterleben, und am Ende erleichtert aufatmen, als sich alles zum Guten wendet. Cherry Wilder hat mit diesem Buch einen vielversprechenden Anfang zu ihrer Trilogie vorgelegt. Man kann sich auf die folgenden Bände freuen.