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Taschenbücher, kritisch gelesen von Gert Vogel
Bei ULLSTEIN erscheint momentan ein reichlich gemischtes Programm. Neuauflagen von Uralttiteln wie Russels "Gedankenvampire" oder deCamps "Vorgriff auf die Vergangenheit", mit 44 bzw. 34 Jahren auf dem Buckel, sind heute noch spannend und unterhaltend zu lesen, während sich ein neu aufgenommenes Buch wie A.E. van Vogt's "Die Unterdrücker" als schludrig heruntergeschriebenes Machwerk entpuppt. Ein Buch, das sein Erscheinen nur dem Autorennamen verdankt. Die ULLSTEIN-SF-Reihe hat einfach noch keine Linie. Anders bei BASTEI. Die SF-Spezialreihe und - mit Abstrichen - auch die SF-Bestseller können sich sehen lassen. So ist dort mit "Heißer Schlaf" der Fortsetzungsband zu "Capitol" erschienen - zwei Bücher von Orson Scott Card, die zeigen, was gute SF sein kann. Ebenfalls sehr bemerkenswert ist von Octavia Butler "Als der Seelenmeister starb", der Anfang einer Trilogie, die den Konflikt zwischen psionisch begabten, "normalen" Menschen und Genveränderten schildert. Ein klares Profil, spöttisch ausgedrückt, hat auch eine weitere Unterreihe bei BASTEI, die SF-Action. Große Namen: Blish, Asimov, "Doc" Smith, van Vogt, Alexei Panshin, Jack Vance ... - und alles miteinander taugt nichts! Schnell Heruntergeschriebenes, Jugendwerke, Abfall, kurz: "Heftchenniveau"! Jack Vance's "Weltraumoper": Peinlich schlechter Klamauk, keine Spur von Vance's sonstigem Können. Alexei Panshin's "Der galaktische Dandy": Ohne Spannung, gequälter Humor, null Action! Daß für diese Bücher mit der Auszeichnung "Hugo-Preisträger" geworben wird, macht es nur noch schlimmer. Werbesprüche sind sowieso eine Sache für sich. Wenn, wie bei KNAUR, Fritz Leiber über Joanna Russ' Roman "Alyx" sagt: "Der einzige SF-Roman der letzten zehn Jahre, den ich las, ohne ihn aus der Hand zu legen", und man dann merkt, daß der "Roman" gerade 123 Seiten hat, reizt das doch nur zum Lachen. Die Geschichte ist auch nicht besser als jede andere, die literarische Minimalanforderungen erfüllt, wie die gelungene Charakterisierung der Hauptperson. Sonst verlangt man auch noch, daß die Nebenpersonen gut charakterisiert werden, aber darauf konnte Joanna Russ nicht auch noch achten. Das einzig Wichtige ist ihr die Gleichberechtigung der Frau als Heldenfigur. Aber ist das ein Qualitätskriterium? Empfehlenswerter ist da schon Robie Macauleys Prä/Post - Doomsday - Roman "Dunkel kommt die Zukunft". Für eine Mark mehr gibt es doppelt soviel Inhalt, der dazu noch etwas taugt. Nicht so sehr auf's Geld schauen darf man hingegen bei Lem's "Robotermärchen". SUHRCAMP war schon immer etwas teurer. Dafür bekommt man aber auch Qualität, sowohl vom Inhalt als auch von der Aufmachung her. Einen "Lem" kann man ruhig offen herumliegen lassen, wenn man Besuch bekommt, der schadet dem Image nicht. Vorsicht geboten ist da schon eher bei MOEWIG. Die Aufmachung der Bücher schreit laut: "Schund!", auch wenn der Inhalt meistens nicht schlecht ist. Geht's nicht etwas weniger bunt? Besonders erwähnenswert wäre dort der "Science Fiction Almanach 1983", diesmal mit deutscher SF der letzten 25 Jahre. Interessant vor allem auch der Artikel über SF-Leihbücher, der versucht, einen weitgehend unbekannten Aspekt deutscher SF-Geschichte zu beleuchten. Von den anderen SF-Titeln möchte ich vielleicht noch Barry Longyears "Ein Zirkus für die Sterne" hervorheben, ein Buch, das alles hat, was Jack Vance's "Weltraumoper" fehlt. Ein Vergleich wäre lehrreich. Bei Goldmann sind inzwischen schon zwei Bände einer Trilogie von Janet Morris erschienen, "Traumtänzer" und "Traumschiffe". Ein breit angelegtes Werk, das in einer technologisch ausgerichteten Superzivilisation spielt, in die es ein unscheinbares Mädchen von der Erde verschlägt. Aber die Frauen von der Erde haben es bekanntlich faustdick hinter den Ohren! Ein leichter Fantasy-Touch sorgt für "Sense of Wonder". Reine Fantasy nun findet man bi Richard Fords "Das Vermächtnis der Eldron". Glaubt man anfangs noch, ein ähnliches Kleinod wie Adams "Unten am Fluß" in den Händen zu haben, so merkt man leider mit fortschreitendem Lesen, daß Ford den vielversprechenden Beginn nicht adäquat zu Ende bringen konnte. Schade. Natürlich gibt es auch Story-Collektionen bei GOLDMANN. Mit "Das Beste aus OMNI 1" startet eine neue Reihe. Manche Geschichten sind allerdings nicht mehr so neu, daß sie nicht schon in anderen Sammlungen bei uns erschienen wären, das ist aber nicht weiter schlimm. Wichtig ist eher, daß sie allesamt lesenswert sind. Das kann man leider von den Stories in "Arkane" nicht behaupten. Diese Anthologie, von Wolfgang Jeschke zusammengestellt (HEYNE), hat als einzigen Pluspunkt die Geschichten von Alpers und Jeschke selbst aufzuweisen. Der Stil der meisten anderen Werke läßt sich am ehesten mit "trivialem Surrealismus" umschreiben. Zu viel Experiment - zu wenig Fundament! Zum Glück gibt es bei HEYNE noch Handfesteres. "Das Doppelgänger-Gambit" von Lee Killough ist zum Beispiel ein richtiger schöner SF-Krimi. Hat's auch schon länger nicht mehr gegeben. Karl Alexander hat mit "Flucht ins Heute" einen hervorragenden Zeitreiseroman mit satirischem Einschlag verfaßt. H.G.Wells verfolgt Jack the Ripper mit seiner Zeitmaschine ins Jahr 1979. Das gibt Anlaß zu köstlichen Betrachtungen über unsere heutige Welt, zum Beispiel wenn H.G.Wells seinen ersten "Big-Mäc" in einem "reizenden schottischen Restaurant namens McDonalds" verzehrt. Ebenfalls nicht entgehen lassen sollte man sich "Brontomek!" von Michael G. Coney. Mit "Der Sommer geht" und "Flut" ist er uns ja noch bestens in Erinnerung. "Brontomek!" ist die Fortsetzung zu "Flut". Beeindruckt hat mich, wie Coney es schafft, die Ahnung einer sich nahenden Katastrophe zu vermitteln, um dann den Leser auf ganz andere Art zu erschüttern. Sollten Sie sich bei dem einen oder anderen Titel eine andere Meinung gebildet haben, so wird sich unsere Leserbriefredaktion über jede Zuschrift von Ihnen freuen, die eine Diskussion in Gang bringen könnte. Diese Rezension erschien in „SOLARIS-Magazin 3/83".
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