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TASCHENBÜCHER - kritisch gelesen

von Gert Vogel

  • Taran

  • Leere Welt

  • Billenium

  • Ein Dutzend H-Bomben

  • Der letzte Unsterbliche

  • Der Wein des Frevels

  • Sharras Exil

  • Bernsteinaugen und Zinnsoldaten

  • Nova

  • Der Staatsfeind

  • Straße der Schlangen

  • Die Psi-Armee

  • Weltraumkadetten

  • Das Nadelöhr

  • Mehr Dinge zwischen Himmel und Erde

  • Wacholderzeit

  • Der Satellit

  • Der Magier

  • Drachentrommeln

  • Die schönsten Science Fiction Stories des Jahres

Zu den bekannten Taschenbuchverlagen, die SF und Fantasy veröffentlichen, kommen in letzter Zeit vermehrt weitere Verlage, die ihr Programm in diese Richtung ausweiten wollen. So bringt zum Beispiel der Arena-Verlag eine ganze Reihe seiner Erfolgstitel nochmals als Taschenbuchausgabe auf den Markt. Als fünfbändige Kassette sind Tarans Abenteuer jetzt erhältlich. Es handelt sich dabei um einen humorvollen Zyklus um den Hilfsschweinehirten Taran, der in seinem Aufbau etwas an »Den kleinen Hobbit« und »Herrn der Ringe« erinnert.

Besonders für Jugendliche dürften diese fünf Bände sehr vergnüglich zu lesen sein. Doch nicht nur Neuauflagen werden von Arena veröffentlicht, sondern auch neue Titel, wie »Leere Welt« von John Christopher, eine Weltuntergangsgeschichte, in der diesmal eine Krankheit, die die Menschen an vorzeitiger Altersschwäche sterben läßt, den Aufhänger für die Erkenntnis bildet, daß Neid, Haß und Eifersucht nicht einfach verschwinden, auch wenn der Rest der Menschheit nur noch aus einer Handvoll Personen besteht. Auch eine Neuauflage, die ihre Wiederveröffentlichung verdient hat, ist im Suhrkamp-Verlag erschienen: »Billenium« von J. G. Ballard, eine Sammlung seiner besten Geschichten. Oft sehr beklemmend von der Thematik, gehören sie doch zu jener Sorte von SF-Stories, die sich fest ins Gedächtnis eingraben im Gegensatz zu der Dutzendware, die sonst so in allen möglichen Story-Sammlungen erscheint.

Dazu gehört aber Ronald M. Hahn's Sammlung »Ein Dutzend H-Bomben« ausnahmsweise nicht (Ullstein). Seine Geschichten sind, möglicherweise weil so überpointiert, ebenfalls von der Sorte, die im Gedächtnis bleiben. Deshalb ist es schade, daß man doch die meisten schon hier und da in den letzten Jahren in anderen Veröffentlichungen gelesen hat.

Ein Buch, das hier erwähnt wird, um dringend von ihm abzuraten, ist J. 0. Jeppson's »Der letzte Unsterbliche« (Goldmann). Nur weil die Autorin zufälligerweise Isaac Asimovs Frau ist, wurde dieses Buch wohl überhaupt verlegt. Es wäre besser gewesen, wenn das Manuskript unauffindbar verlegt worden wäre. Eine Schande für den Goldmann-Verlag, seinen Lesern so etwas vorzusetzen! Etwas besser war da »Der Wein des Frevels« von James Morrow. Darin geht es um eine völlig friedliche Welt, in der auf elektrochemischem Weg alle Aggressionen sublimiert werden, was aber in Anbetracht der Tatsache, daß auf dieser Welt auch blutrünstige Kannibalen hausen, zu Schwierigkeiten führt. Mittelmäßig.

Unter dem Mittelmaß lagen bei Moewig gleich mehrere Bücher. Kopernikus baut schwer ab, und auch der neueste Roman der Darkover-Serie, »Sharras Exil« war weit unter Marion Zimmer-Bradleys sonstigem Niveau. Weitaus besser war dagegen die Story-Sammlung von Joan D. Vinge »Bernsteinaugen und Zinnsoldaten«. Eine hervorragende Einrichtung finde ich die Bemerkungen der Autorin selbst zu jeder Geschichte. Diese lassen doch so manches, was sonst vielleicht untergegangen wäre, in einem ganz anderen Licht erscheinen. Die Stories sind zum Teil auch schon in anderen Sammlungen erschienen, sind aber so empfehlenswert, daß es mir diesmal überhaupt nichts ausgemacht hat, ich im Gegenteil sogar einige Male erfreut war, Geschichten, die sonst eben als Lockvogel in ansonsten schlechten Sammlungen untergegangen wären, auf diese Weise noch einmal lesen zu können.

Das trifft auch auf Delany's »Nova« zu, einen Roman, der vor einiger Zeit in der erfolglosen König-TB-Reihe erschienen ist, und der jetzt bei Bastei wiederaufgelegt wurde. Delany schreibt wirklich hervorragende SF, die auch literarisch einiges bietet. In der Spezial-Reihe sind bei Bastei auch einige bemerkenswerte Titel erschienen. »Vorn gleichen Blut« von Oktavia Butler ist z.B. ein aufrüttelnder Roman, der den Leser mit der Problematik und dem Elend bei der Sklavenhaltung im Süden der USA konfrontiert. »Der Staatsfeind« von F. P. Wilson ist ebenfalls ein im Grunde politischer Roman, der wegen seiner etwas seltsamen Auffassungen, was die Wirtschaftstheorie betrifft, den Leser nicht so persönlich anspricht wie Butlers Rassenproblematik. Trotzdem empfehlenswert, vor allem, wenn man Wilsons andere Romane schon kennt, zu denen in diesem Buch der Hintergrund gelegt wird. 

Bei Knaur ist ein Story-Band erschienen, »Straße der Schlangen«, auf den ziemlich das zutrifft, was ich vorhin erwähnt habe. Viele durchschnittliche Stories, die man vermutlich kein zweites Mal lesen wird, und eine herausragende: »Schmeißfliegen« von James Tiptree. Der Menschheit geht es, nachdem sie sich wie die Schmeißfliegen vermehrt haben, wie ebendiesen nach neuesten Methoden an den Kragen. Biologische Schädlingsbekämpfung, angewandt am größten Schädling der Erde.

»Die Psi-Armee« von John Shirley hat in gewisser Weise auch etwas mit dieser Thematik zu tun. Als der Bevölkerungsdruck zu groß wird, schwingt sich das rassische Unterbewußtsein der Menschheit zur Entwicklung von Psi-Kräften auf. Wochenlang verschwindet auf der ganzen Erde die Schwerkraft, bis die Bevölkerungsdichte auf ein erträgliches Maß herunterdezimiert worden ist. Aber die einmal errungenen Kräfte bleiben. Die Überlebenden müssen Wege für eine neue Art des Zusammenlebens finden, doch auch die Militärs wissen die neuentwickelten Kräfte einzusetzen. Nach einem etwas verworrenen Anfang entwickelt sich der Roman zu einer spannenden Lektüre.

Jetzt kommen wir zu Heyne. Bei den Massen an SF und Fantasy, die dieser Verlag auf den Markt wirft, bräuchte man eigentlich ein eigenes Magazin zur Besprechung. Hier kann in diesem beschränkten Rahmen nur ein Bruchteil der Veröffentlichungen angetippt werden.

Da von Heinlein nicht viel Neues erscheint und nach einhelliger Meinung seine alten Titel sowieso viel besser waren, werden nun nach und nach seine alten Titel in ungekürzter Form veröffentlicht. »Weltraumkadetten« ist so ein Fall. Nachdem in der SF aber in den letzten 10 Jahren, vor allem durch den großen Anteil der neuen Autorinnen, ein wahrnehmbarer Qualitätsschub festzustellen war, fallen einem jetzt auch die Mängel mehr auf, mit denen Heinleins frühe Jugend-SF-Romane behaftet sind. Man sollte sich lieber auf seinen neuesten Roman »Friday« freuen, der bald erscheinen wird, und in dem er nach der Enttäuschung mit »Der Zahl des Tiers« wieder einmal einen wirklich spannenden Roman zustandegebracht hat.

Anders steht es mit Hai Clement's Fortsetzungsband zu »Die Nadelsuche« mit dem Titel »Das Nadelöhr«. Hier würde ich jedem empfehlen, den ersten Roman ruhig noch einmal zu lesen, aber den zweiten lieber auszulassen - die Enttäuschung ist doch zu groß.

Eine Ausgrabung, die unnötig war, ist »Mehr Dinge zwischen Himmel und Erde« von John Brunner. Brunner wäre es sicher auch lieber, wenn seine alten Sachen in Vergessenheit gerieten, und er an seinen guten Werken wie »Morgenwelt« gemessen würde.

Vorschußlorbeeren hat Kate Wilhelm für »Wacholderzeit« bekommen. Ziemlich unnötig, wie ich meine, denn die Geschichte quält sich doch ziemlich von Seite zu Seite. Die groß herausgestellten ökologischen Zusammenhänge stellen sich dann doch als sehr rudimentär heraus; viel Schwarzmalerei ohne konstruktive Ansätze.

Von John Varley sind zwei Bänder der Gäa-Trilogie zusammen erschienen. »Der Satellit« und »Der Magier« heißen sie. Es geht dabei um eine Miniaturwelt, die ähnlich konstruiert ist wie Nivens Ringwelt, nur daß sie ein einziges, riesiges Lebewesen ist. Im ersten Buch werden die Abenteuer einer Gruppe Menschen geschildert, die auf Gäa, die Ringwelt, verschlagen werden, und im zweiten Band geht es um die weitere Geschichte Gäas. Allerdings kümmert sich Varley dann fast mehr um das Sexualverhalten der eingeborenen Zentaurenrasse, als um die Geschichte selbst. Wie so oft ist nur der erste Band eines mehrbändigen Werks zu empfehlen.

Doch auch hier gibt es Ausnahmen. Sind bisher alle Romane von Anne McCaffrey zu empfehlen gewesen, so auch der neueste, »Drachentrommeln", der zeitlich parallel zu »Der weiße Drache« einzuordnen ist. Zu guter letzt noch eine weitere Empfehlung. Terry Carrs Sammlung: »Die schönsten Science Fiction Stories des Jahres«, machen ihrem Namen alle Ehre. Besonders gut darin waren Zenna Hendersons Story: "Erzähl uns eine Geschichte" und der Artikel von Charles N. Brown über »Das Science Fiction Jahr 1980«. Viel Qualität für relativ wenig Geld.