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David Weber

Lois McMaster Bujold

Elizabeth Moon


SF-Online: Rezensionen Ak
tuell, 09.11.2002

SF und Fantasy, kritisch gelesen
von Dr. Gert Vogel

Subjektive Bemerkungen zu einigen aktuellen
Titeln der SF- und Fantasy-Literatur

Orson Scott Card Shadow Puppets Tor
Elizabeth Moon Heris Serrano
enthält: Hunting Party, Sporting Chance, 
Winning Colors
Baen
Elizabeth Haydon Rhapsody Tor
Elizabeth Haydon Tochter des Windes Heyne
Elizabeth Haydon Prophecy Tor
David Weber / John Ringo March Upcountry Baen 
Chris Bunch Storm Force RoC
Chris Bunch Homefall RoC
L. E. Modesitt jr. Schwerkraftträume Heyne
L. E. Modesitt jr. The Soprano Sorceress Tor
L. E. Modesitt jr. The Spellsong War Tor
L. E. Modesitt jr. Darksong Rising Tor

Es geschehen Zeichen und Wunder! "Shadow Puppets" von Orson Scott Card ist ein echter Volltreffer! Nach "Ender's Shadow" schien es mir mit "Shadow of the Hegemon" bergab zu gehen, aber Card hat völlig unerwartet ein spitzenmäßiges Buch nachgeschoben! Lesefreude und Spannung pur - ich freue mich auf eine Fortsetzung!

Der Sammelband "Heris Serrano" von Elizabeth Haydon, der die ersten drei Bücher der Familias Regnant - Reihe, "Hunting Party", "Sporting Chance",  "Winning Colors" enthält, ist ein dicker Schinken mit 1041 Seiten im Großformat, zum Glück mit augenfreundlich große Typen.
Hier erfährt man die Lebensgeschichte von Heris Serrano von dem Zeitpunkt an, an dem sie, unehrenhaft aus der Flotte entlassen, auf einer Privatyacht anheuert, bis zu ihrer triumphalen Rückkehr als Geschwaderkommandant.
Dazwischen lernt man eine Reihe von Vertretern der herrschenden Schicht kennen, lernt (wahnsinnig) viel über Fuchsjagden und das Geländereiten, etwas weniger über die Auswirkungen lebensverlängernder medizinischer Behandlungen auf das soziale Gefüge eines Sternenreichs, und dass in all den verzogenen Sprösslingen der Reichen ein wertvoller Kern steckt, wenn man sie nur fordert.
Die Bücher sind in einem sehr lesefreundlichen Stil geschrieben, nie langweilig, eine echte Bereicherung der SF. Lesespaß für lange Abende.
Esmay Suiza, die Heldin der folgenden Romane, tritt im dritten Band übrigens nur ganz am Rande auf.

Webers "March Upcountry" war mir zunächst wegen der reißerischen Beschreibung etwas suspekt, stellte sich aber dann als solide SF-Unterhaltung mit stark militärischem Einschlag heraus. Zum Glück überwiegt hier wieder die menschliche Seite, das heißt, dass das Buch eher zur Klasse der Honor Harrington zu zählen ist als zu den öden Militärschinken, die er zusammen mit Steve White verfasst hat.
Für mich sehr interessant zu lesen waren die Ausführungen über versagende Elektronik infolge von Umwelteinflüssen, über deren Ursache ich als Ausfallanalytiker Weber wohl noch einiges erzählen könnte! Weber hat diese Effekte eher dazu eingeführt, dass die militärische Übermacht seiner Protagonisten über die Einheimischen nicht die Schlachten zu langweilig gestaltet. Übrigens: Die Umweltbedingungen 40°C, 93% relative Luftfeuchte, die z. B. als Standardtest für elektronische Baugruppen eingesetzt werden, sind die Grenze, ab der ein Mensch innerhalb kurzer Zeit stirbt, weil er die vom Körper erzeugte Wärme nicht mehr abführen kann. Hier noch einiges draufzupacken, ist etwas zu dick aufgetragen, Hr. Weber!
Die Geschichte liest sich ansonsten spannend und schreit nach der Fortsetzung ("March to the Sea"), die ich inzwischen auch schon bestellt habe.

Elizabeth Haydons "Rhapsody" und "Prophecy" sind die ersten zwei Bände einer Trilogie, die großes Lob erhalten hat. Dicke Ziegelsteine mit 650 - 700 Seiten, kleine Schrift - man liest ewig daran! Aber es lohnt sich. Der erste Band ist als "Tochter des Windes" bereits bei Heyne angekündigt.
Man befindet sich in einer Fantasy-Welt, in der es die verschiedensten menschlichen und nichtmenschlichen Rassen gibt, gute Drachen und böse Dämonen - und natürlich auch Magie. Diese Magie unterscheidet sich aber auf wohltuende Weise von der stereotypen Zauberei, die sich häufig in ähnlich angelegten Sagas breit macht.
Hauptperson ist Rhapsody, ein junges Mädchen, dessen Lebensweg man über die Jahrtausende hinweg mitverfolgt. Ihre Suche nach der verlorenen Liebe ihres Lebens und einer besseren Welt ist der Faden, der sich durch die Bücher zieht. Drumherum geschlungen ist die Geschichte der Welt, der Aufstieg und Fall von mächtigen Reichen und der Kampf gegen das Böse.
Ein langes, langes, langes Lesevergnügen.

Das Lesevergnügen hält sich beim dritten und vierten Band der "Last Legion" - Reihe von Chris Bunch in Grenzen. Die ersten beiden Bände waren noch ganz flott und lesbar, trotz viel Slang und Militärkauderwelsch. Den dritten, "Storm Force" habe ich dann halb gelesen erst einmal ein halbes Jahr liegen gelassen. Die darin vertretene Auffassung über den Einsatz von militärischer Gewalt gegen Zivilpersonen ist mir schwer aufgestoßen. Zum Beispiel lässt Bunch auf einem Nachbarplaneten des gegnerischen Diktators von einem Stoßtrupp Staudämme zerstören. Vor kurzem waren im Fernsehen Interviews mit englischen Offizieren zu sehen, die derartiges im zweiten Weltkrieg in Deutschland durchgeführt haben, und die heute immer noch unter schwersten Gewissensqualen wegen der vielen zivilen Todesopfer leiden. In diesem Buch und im Folgeband "Homefall" kommt so richtig die amerikanische (?) Überzeugung, im Besitz der allein selig machenden Gesellschaftsordnung zu sein, zum Ausdruck.
Auch bei "Homefall" ist diese Menschenverachtung deutlich. Zum Beispiel wird da vor dem Abflug auf einem Planeten eine Bombe in dessen gesetzgebender Versammlung platziert, um den Politikern einen 'Denkzettel' zu verpassen. Der eigentliche Handlungsfaden, die Suche nach dem Grund für den Abbruch der Kommunikation mit der Mutterwelt des Imperiums, kommt dabei ein wenig kurz.
Damit sich keiner diese Bücher antun muss: Ein Aufstand nach dem anderen hat auf der Mutterwelt das Wissen über die Codes zum gefahrlosen Durchqueren der Roboter-Abwehrsysteme vernichtet. Deshalb ist die Verbindung unterbrochen und verschwinden auch alle Schiffe, die zum Zentrum des Imperiums wollen.
Muss man nicht gelesen haben.

L. E. Modesitt jr. ist durch seinen "Recluce" - Zyklus bekannt geworden, der auch mich begeistert hatte. Ich habe dann versucht, einige seiner anderen Romane auf englisch zu lesen (z. B. "Adiamante") und bin meist im ersten Drittel hängen geblieben.
"Schwerkraftträume" ist auf deutsch erschienen, hatte aber bei mir einen ähnlichen Effekt. "Nur" 575 Seiten dick, lag das Buch mehrmals monatelang herum, bis ich aus Mangel an Lesestoff weiter las. Das letzte Mal geschah das fünf Seiten vor Schluss! Ich glaube, das sagt alles!
Langwierig, breit, uninteressant - man liest nur weiter, weil man sich sagt: "Das kann's ja wohl nicht gewesen sein, da muss doch noch etwas kommen!". Es kommt aber nichts mehr.
Bereits bei den letzten Recluce-Bänden und noch mehr beim "Spellsong Cycle" ist mir aufgefallen, wie nervtötend Modesitt jede kleine Kleinigkeit ausführlich beschreibt. Beim Zyklus "Spellsong Cycle" wird eine zweitklassige, alternde Opernsängerin in eine Parallelwelt versetzt, wo sie durch ihren Gesang magische Kräfte hat. Gelesen habe ich bisher die ersten drei Bände ("The Soprano Sorceress",  "The Spellsong War" und "Darksong Rising").
Abgesehen davon, dass das gesamte Magiesystem vorn und hinten hinkt, könnte man allein durch Weglassen der Beschreibungen, wie sie ständig Wasser trinkt, damit sie nicht auf dieser trockenen Welt dehydriert, hunderte von Seiten sparen. Ein Glück, dass Modesitt als Amerikaner körperliche Ausscheidungen tabuisiert - das hätte mir gerade noch gefehlt!
In einem guten Buch steht keine Zeile zu viel. Alles, was geschrieben wird, hat eine Bedeutung. Bei Modesitt bekomme ich aber immer mehr den Eindruck, dass er nach Umfang und nicht nach Qualität bezahlt wird.

Dr. Gert Vogel