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SF
und Fantasy, kritisch gelesen Subjektive Bemerkungen zu einigen aktuellen
Science FictionVater-Sohn BeziehungskistePeter F. Hamilton: Der Dieb der ZeitDas zweite Leben des Jeff Baker(Misspent Youth)Lübbegelesen von Dr. Gert VogelNachdem ich vor kurzem Hamiltons „Fallen Dragon“ gelesen hatte, rechnete ich eigentlich wieder mit einem kurzweiligen Lesevergnügen, als ich eine Rezension für dieses Buch zusagte. Aber ohne diese Zusage wäre das Buch mit Sicherheit auf dem Stapel der nicht fertig gelesenen Bücher gelandet. Warum? Kurz gesagt: das Buch ist langweilig. Langweilig, altmodisch, verklemmt. Dabei ist die Anlage gar nicht uninteressant: England, zwei Jahrzehnte in der Zukunft: Internet durch die Datasphere abgelöst, freier Zugang zu allen Informationen, Zusammenbruch der Film- und Buchindustrie. Jeff Baker, der Schöpfer der Datasphere, der seine Erfindung nicht kommerziell ausgenützt, sondern der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat, wurde als Dank der Milliarden Euro teuren ersten kompletten Verjüngung unterzogen. Körperlich ist er damit wieder ca. 25 Jahre, hat eine ca. 40-jährige Frau und einen 18-jährigen Sohn. Er lebt seine neuen Vorzüge aus, schläft sich durch Scharen williger junger Frauen, und spannt schließlich seinem Sohn die Freundin aus. Am Schluß stirbt er unerwartet früh, weil durch die Verjüngungsprozedur die Zellteilung zum Erliegen kam. Das klingt flott und regt die Phantasie des erwartungsfreudigen Lesers an – was er aber bekommt, ist nicht das, was er beim Namen Hamilton erwartet. Seitenlang sind genaue Erläuterungen aneinandergereiht, warum und weshalb sich die beschriebene Welt so entwickelt hat, jede Kleinigkeit wird im Detail erklärt und hemmt so den Fluss der Erzählung. Das ganze wirkt wie das Werk eines begabten Amateurs, nicht wie das eines erfahrenen Vielschreibers. Selbst die manchmal explizit ausgeführten Sex-Szenen hinterlassen einen faden Nachgeschmack, da sie mit moralinsauren Ausführungen umkleidet sind. Auch ist das ganze Szenario trotz der scheinbaren Durchdachtheit unstimmig. Der junge Jeff unterstützt z. B. seine Eskapaden vorsichtshalber mit Viagra aus dem Schreibtisch-Drogen-Synthesierer, der alte Jeff zwei Jahre vorher hat schon zwanzig Jahre keinen Sex mit seiner schönen jungen Frau – oder sonstwem – gehabt. Neben der Beschreibung des täglichen Lebens von Jeff, seinem Sohn Tim und dessen Freundin Annabelle sucht man auch vergeblich nach wenigstens einem zweiten Handlungsstrang, der ein wenig Spannung in die Geschichte bringen könnte. Was bleibt, ist eine Geschichte, die in einer Boulevard-Zeitung ausgeschlachtet Sinn machen würde, wo Klatsch über die Reichen und Berühmten breitgetreten wird. Mehr nicht. Zurück bleiben wird in der Erinnerung an dieses Buch nur das Bedauern über die damit verschwendete Zeit.
Broschiert - 508 Seiten – Lübbe Erscheinungsdatum: August 2004 ISBN: 3-404-23274-7
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